Tipps: Chirurgie und Orthopädie
Alle Tipps in dieser Rubrik:- "Bei einem Knochenbruch am Bein darf ich auf keinen Fall auftreten?!"
- "Warum wird denn der schöne neue Gips gleich wieder aufgeschnitten?"
- "Bandscheibenvorfälle müssen operiert werden?!"
- "Ich brauche unbedingt verschiedene Salben gegen Verstauchungen, Prellungen und Rheuma"
- "Was tun gegen schmerzhafte Fußwarzen?"
- "Ich schneide meine Fußnägel immer schön rund!"
- "Gefährdet eine Handverletzung meine Ehe?"
- "Müssen Muttermale immer alle rausgeschnitten werden?"
- "Meine Gelenke knacken immer so laut, was hat das zu bedeuten?"
- "Warum bekomme ich bei Rückenschmerzen keine Spritze?"
"Bei einem Knochenbruch am Bein darf ich auf keinen Fall auftreten?!"
Das muss natürlich der behandelnde Arzt entscheiden. Aber in der Regel wird der versuchen, eine Ruhigstellung oder Knochenbruchoperation so stabil zu gestalten, dass man nach Rückgang der akuten Schwellung und Schmerzen zumindest mit dem Eigengewicht des Beines auftreten und abrollen kann. Die Last des Körpergewichtes wird dabei über Gehstützen auf die Arme geleitet.
Dies hat für das gebrochene Bein mehrere Vorteile: Die Knochenbruchheilung wird durch leichte axiale Belastung gefördert (sofern keine wesentliche Instabilität besteht). Der schonungsbedingte Knochenschwund wird vermindert, der Abtransport von Blut und Lymphe durch Betätigung der Muskelpumpe gefördert. Auch für den Gelenkknorpel ist ein gewisses Maß an Belastung Voraussetzung, für richtige Ernährung und intakte elektrische Felder.
Der Unfallchirurg wird Ihnen also möglichst frühzeitig nach dem Bruch zumindest eine Teilbelastung des gebrochenen Beines mit etwa 15 kg und Abrollen über den Fuß empfehlen, wenn immer dies zu verantworten ist. Sie können zuhause auf der Badezimmerwaage testen, wie sich der Druck von 15 kg für die Fußsohle anfühlt. (ka.)
"Warum wird denn der schöne neue Gips gleich wieder aufgeschnitten?"
Bei frischen Knochenbrüchen und Weichteilverletzungen besteht immer eine starke Schwellneigung, so dass ein geschlossener Gips oder ein zu fester Verband dazu führen würde, dass an der betroffenen Extremität die Blutzufuhr abgedrückt wird. Ganz abgesehen von den dadurch verursachten starken Schmerzen. Ihr Unfallchirurg wird also den frischen Gips spalten oder eine Schiene mit unelastischen Binden ohne Zug locker anwickeln. Erst später, wenn die Schwellung abgeklungen ist, wird auf eine geschlossene Verbandanordnung umgestiegen, d.h. "umgegipst".
"Bandscheibenvorfälle müssen operiert werden?!"
Die meisten Bandscheibenvorfälle werden nicht operativ, sondern konservativ behandelt. Dies führt ebenfalls zu guten Ergebnissen. Es gibt allerdings auch Gründe für eine sofortige Operation. Dies ist vor allem eine massive oder zunehmende Lähmung durch Druck der vorgefallenen Bandscheibe auf eine Nervenwurzel. Aber auch starke und nicht beherrschbare Schmerzen können selten einmal eine Operation unabdingbar machen. Auch wenn eine konservative Behandlung über längere Zeit nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führt, kann einmal eine Operation angezeigt sein. Dabei wird der Operateur aber immer auch den körperlichen (und neurologischen) Untersuchungsbefund und das Ergebnis Bild gebender Verfahren (v. a. MRT = Magnet Resonanz Tomographie) bewerten.
Die konservative Behandlung erfordert Geduld und Mitarbeit des Patienten bei der krankengymnastischen Rehabilitation, hat aber in der Regel gute Ergebnisse, auch auf lange Sicht. Die Auswahl der Patienten, die eine Operation benötigen, gehört zu den anspruchsvollen Aufgaben des orthopädischen Chirurgen.
"Ich brauche unbedingt verschiedene Salben gegen Verstauchungen, Prellungen und Rheuma"
Ein weit verbreiteter Irrtum. Die Wirkstoffmenge, die aus Salben, Cremes und Gelees durch die Haut an den Ort des Geschehens dringt, ist bei den meisten Präparaten so gering, dass man eine pharmakologische Wirkung getrost bezweifeln kann. Die meisten Mittel wirken lediglich physikalisch (durch Kühlung oder vermehrte Durchblutung=Wärmend). Aus diesem Grunde sind diese so genannten "Externa" aus der Erstattungspflicht der Krankenkassen ausgeschlossen worden!
Aus dem gleichen Grunde werden Sie vermehrt erleben, dass Ihr Arzt Ihnen diese Mittel nicht mehr auf Kassenrezept aufschreibt. Sie müssen Verständnis dafür aufbringen, dass wir Ärzte uns bei sehr begrenzten Geldmitteln der Kassen auf die Verschreibung von wirklich notwendigen Präparaten beschränken müssen.
Wenn Sie wirklich etwas zum Abschwellen, gegen Schmerzen oder Entzündung benötigen, ist der richtige Weg es dem Körper zuzuführen als Tablette/Saft oder als Zäpfchen und in Ausnahmefällen als intramuskuläre Spritze.
"Was tun gegen schmerzhafte Fußwarzen?"
Fußwurzen haben insbesondere bei Kindern eine Neigung zur sponatanen Abheilung und sollten daher belassen werden, sofern sie nicht stark schmerzhafte sind. Manchmal hilft wirklich nur die Operation. Vorher kann man aber getrost bewährte Hausmittel ausprobieren, z. B.: Knoblauch-Pflaster (bei abnehmendem Mond!).
Schneiden Sie in ein normales Pflaster ein Loch so groß wie der Warze und kleben Sie es so auf, dass die Warze frei bleibt. Dann wird eine frische Knoblauchzehe in 2 Hälften geschnitten und eine H�lfte mit der Schnittseite auf der Warze mit einem weiteren Pflaster fixiert. Über Nacht liegen lassen und morgens erst nach dem Duschen entfernen. Dies muss jeden Abend wiederholt werden bis zum Neumond. Nach und nach färbt sich die Warze schwarz und kann einfach herausgehoben werden. Unsere Patienten haben über gute Erfolge v.a. bei Kindern berichtet. (vb.)
"Ich schneide meine Fußnägel immer schön rund!"
Das mag ja kosmetisch gut sein, führt aber leider häufig v.a. an der Großzehe zu kleinen Verletzungen des Nagelbetts. Daraus entwickelt sich nicht selten eine chronische Infektion mit "wildem Fleisch" (Granulationsgewebe), die letztlich nur operativ zu beseitigen ist. Daher unser Tipp: Lassen Sie den Großzehennagel etwas über den Rand des Nagelbetts vorwachsen und schneiden Sie ihn gerade ab. Es sei denn, Sie wollen mal schauen wie es in unserer Operationsabteilung aussieht. (va.)
"Müssen Muttermale immer alle rausgeschnitten werden?"
Natürlich nicht, denn das würde einerseits die Kapazität unseres Gesundheitswesens völlig ausschöpfen und zum anderen bei manchen Hauttypen nur noch wenig Hautoberfläche zurücklassen. Hier sind Vernunft und gesunder Menschenverstand angesagt. Denn Muttermale sind fast immer harmlos! In seltenen Fällen kann sich daraus aber ein Hautkrebs entwickeln. Sie sollten unbedingt Ihren Arzt zu Rate ziehen, wenn eine Hautveränderung
- sich vergrößert,
- ihre Farbe verändert,
- rau, schuppig oder knotig wird,
- schmerzt, juckt, blutet oder sich entzündet oder
- wenn sich plötzlich zahlreiche Muttermale bilden.
Im Zweifel gehen Sie lieber einmal zu oft und lieber etwas früher zum Arzt. In Anlehnung an einen Werbeslogan aus den sechziger Jahren für ein Haarwuchsmittel gilt: Es ist nie zu früh, aber manchmal zu spät!
"Meine Gelenke knacken immer so laut, was hat das zu bedeuten?"
Das hat zunächst einmal gar nichts zu bedeuten! Gelenkgeräusche sind keine Krankheit!
Insbesondere junge Menschen kommen oft deswegen in die Praxis und machen sich Sorgen, weil v.a. die Knie und die Finger bei allen Bewegungen mehr oder weniger laute Knackgeräusche von sich geben. Dies ist zwar teilweise lästig und unangenehm, hat aber überhaupt keine krankhafte Bedeutung!
Etwas anderes ist es allerdings bei fortgeschrittenen Verschleissveränderungen der Gelenke. Es kommt dann häufig zu fühl- und hörbaren Reibe- und Knackphänomenen. Diese sind dann aber in der Regel auch mit Schmerzen verbunden und auch nur dann weiter diagnostisch und therapeutisch abklärungsbedürftig. (ka.)
"Warum bekomme ich bei Rückenschmerzen keine Spritze?"
Über viele Jahre war die Verabreichung von Schmerzmitteln durch intramuskuläre Injektionen (Spritze in das Gesäß) Standard bei der Behandlung verschiedener schmerzhafter Reizzustände der Bewegungsorgane. Neuere Erkenntnisse haben gezeigt, dass dies nicht erforderlich ist, weil man die Schmerz lindernde Wirkung genausogut und fast ebenso rasch durch Gabe von Tabletten, Kapseln oder Zäpfchen erreichen kann. Da die Injektion mit einem deutlich höheren Komplikationsrisiko belastet ist (Infektion / Allergie auf Konservierungsstoffe / Nervenschäden) werden Sie bei und nur in Ausnahmefällen eine i.m. Injektion erhalten.
Davon ausgenommen sind lokale Injektionen als so genannte "Quaddeln" in die Haut und gezielte Injektionen in Gelenke, Schleimbeutel, Muskelansätze etc., die bei uns unter hochsterilen Bedingungen durchgeführt werden (ka.)
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· Zuletzt geändert am 07.12.2010

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